Innehalten inmitten von Betriebsamkeit
Heißes Schulfest mit vielen Beiträgen zum Profil
Zu einem buchstäblich heißen Fest geriet der Paul-Schneider-Tag des gleichnamigen Gymnasiums (PSG) in Meisenheim. Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und Großeltern nutzen das Schulfest wie immer zu einem Treffen. Auch zahlreiche frühere Absolventen statteten ihrer ehemalige Schule einen Besuch ab und nahmen die grundlegenden Veränderungen der letzten Jahre wahr.
Mit dem Glockenschlag einer Standuhr begann der Gottesdienst, zu dem sich Schulgemeinde und Gäste in der großen Sporthalle versammelten. Bei Temperaturen von über 30 Grad galt es, inmitten der Betriebsamkeit eine Zeit lang innezuhalten. Zu einer Passage aus dem Buch der Prediger im Alten Testament der Bibel „Alles hat seine Zeit“ hatten Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe 12 Texte erarbeitet, die das Leben in seiner Vergänglichkeit thematisierten. Übertragen auf den Schulalltag erklärten sie: „Der Schreiber hat vor 2 500 Jahren schon gewusst, was wir heute kennen.“ Auch die Schule sei ein Ort der Gleichzeitigkeit. Sie forderten dazu auf, in den bevorstehenden Ferien Momente der Stille und des Nichtstuns zu suchen. Ganz konkret forderten sie die rund 600 Menschen auf der Tribüne erfolgreich zu einer Minute des Schweigens auf.
Gelegenheit zum Innehalten im Festbetrieb bot auch das wie immer reich bestückte Kuchenbuffet der Eltern. Hier präsentierte sich die Schulstiftung. Der Paul-Schneider-Tag bildete den Abschluss einer Projektwoche unter dem Motto: „Was uns als Klasse oder Stufe wichtig ist“. Das Thema ließ großen Freiraum für die visuelle Gestaltung von Wünschen und Anliegen, die eine Klassengemeinschaft stärken und auch gesellschaftliche Themen aufgreifen. Davon machten die Schülerinnen und Schüler eifrig Gebrauch und stellten die Ergebnisse auf dem gesamten Schulgelände den Gästen vor.
Traditionsgemäß begann das Schulfest am Abend vor dem Paul-Schneider-Tag mit einer Aufführung der Schulbühne. Auf dem Programm stand „Alice im Wunderland“ in einer Bühnenfassung von Roland Schimmelpfennig.
Aus dem Hintergrund der gut besetzten Aula bewegte sich die Schauspielertruppe auf die Bühne zu, auf der sich der Vorhang zum „Wunderland“ öffnete. Die Theaterfassung geht über das Märchens von Lewis Caroll hinaus, wird zu einer Geschichte des Erwachsenwerdens mit all seinen Unsicherheiten.
Für dieses Gefühl stehen skurrile Gestalten, die Alice, verkörpert von der souverän auftretenden Sonea Heiderich, im Wunderland begegnen. Plötzlich ist sie ganz klein, begegnet etwa einer Raupe (Sofie Kurowski) auf Augenhöhe. Sie folgt dem wuselig auf der Bühne Haken schlagenden weißen Kaninchen (Eugenia Sencleer Merle), trifft die Grinsekatze (Maximilian Lang) sowie den eiförmigen Humpty Dumpty (Lucien Schlarb) und sucht nach dem Weg zu einem Ziel, das sie selbst noch nicht kennt.
Gekonnt affektiert gab Bennet Ohliger den verrückten Hutmacher. Die Szene, die er zusammen mit Jonna Sauer (Siebenschläfer), Nuri Fey (Hase März) sowie Marei Pfeifle und Cusko Rin (Dideldum und Dideldei) gestaltete, zeigte eine Persiflage starrer Rituale wie den englischen Fünf-Uhr-Tee. Sie steht für Traditionen, die Alice hinter sich lassen will. Das Stück gipfelt in einer Gerichtszene, in der Alice beweisen soll, dass sie kein Hummer ist. Sonst würde sie von der bösen Königin, ausdrucksvoll verkörpert von Lilly Johnson, verspeist werden.
Die Regie von Caroline Molz und Benedikt Baumann ließ den jungen Leuten genügend Freiraum für eigene Ideen, mit denen sie das Stück interpretierten. Einen Film nutzten sie, um eine ständig im Wandel begriffene Welt darzustellen. Dazu trugen auch Janne Kinast und Felix Theis, verantwortlich für Licht und Technik, bei. Als weitere Darsteller wirkten Mona Werner, Karla Kehrein und Anna Janke bei der Aufführung mit.
Beindruckend, wie wenig Scheu das Ensemble vor einer ausdrucksvollen Gestik an den Tag legte. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler bewegten sich auf der Bühne äußerst lebhaft und der jeweiligen Szene entsprechend, agierten auch aus dem Hintergrund und aus der Mitte des Zuschauerraums heraus. Das verlieh der Aufführung eine Lebendigkeit, die das Publikum mit stehendem Beifall belohnte.
